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Die perfekte Gastgeberin | Teil IV: Das Dinner

Geht nicht? Geht doch? Damit erst gar keine Unsicherheiten aufkommen, was erlaubt ist und was nicht und wie man sich bei Tisch heute richtig verhält, habe ich einige Do’s und Dont’s zusammengestellt. Denn manches, was früher einmal als gutes Benehmen galt, ist mittlerweile überholt – oder sogar unhöflich. Um das zu vermeiden – los geht’s! 

1. Die Empfangssituation

Schuhe an oder Schuhe aus?

Der (eleganten) Basis des Abendoutfits beraubt, kommt nur schwer Party-Stimmung auf. Daher kann man bei Parkett über folgende Lösung nachdenken: Absatzschoner für High Heels schützen Parkett- und Fliesenböden vor Kratzern. Eine günstigere Variante sind Filzklebepunkte (z. B. aus dem Baumarkt).

Mit einem krabbelnden Kleinkind oder einem hellen, wirklich sehr schmutzempfindlichen Teppich lässt lässt sich die Bitte um „Schuhe aus“ noch am ehesten rechtfertigen.

Der Willkommens-Drink

Als Starter empfiehlt es sich immer, einen Empfangs-Drink servieren. Der Aperitif überbrückt die Wartezeit, bis alle Gäste eingetroffen sind. Dafür ein bis maximal zwei Gläser pro Person sowie eine alkoholische und eine alkoholfreie Variante vorbereiten.

Wenn dann alle Gäste richtig angekommen sind und sich z. B. ins Wohnzimmer – oder auch gleich an den Tisch – gesetzt haben, können in der Küche kurz die allerletzten Handgriffe erledigt werden.

Noch ein Tipp für kühle Getränke: Bei Platzmangel im Kühlschrank die Getränke in einen Behälter mit Eiswürfeln stellen. Eine Flasche mit 0,75 l ist so in etwa einer halben Stunde durchgekühlt. Selbstgemachte Eiswürfel aus stillem Mineralwasser schmelzen langsamer als die aus Leitungswasser. So verwässern die Drinks nicht so schnell. Braucht man eine größere Menge an Eiswürfeln, am besten unter dem Stichwort „Nutzeis“ liefern lassen.

Ein kurzer Rundgang

… durch die Wohnung ist nett, damit die Gäste sich nicht so orientierungslos fühlen. Das Schlafzimmer kann dabei natürlich ausgelassen werden, doch sollte jeder Gast wissen, wo er die Toilette und vielleicht auch die Küche mit dem Getränke-Nachschub findet.

 

Um in Ruhe anzukommen, freuen sich die Gäste beim Willkommens-Drink über eine gemütliche Sitzgelegenheit. | © Hübsch Interior

Um in Ruhe anzukommen, freuen sich die Gäste beim Willkommens-Drink über eine gemütliche Sitzgelegenheit. | © Hübsch Interior

2. Bei Tisch

Wenn alle Gäste anwesend sind und sich noch nicht um den Tisch versammelt haben, bittet die Gastgeberin zu Tisch und eröffnet damit das Dinner. Gibt es einen Gastgeber, erhebt er als erster das Glas. Wenn nicht, übernimmt auch das die Gastgeberin.

Das Servieren

Sofern serviert wird und sich nicht jeder selbst aus dem auf dem Tisch abgestellten Platten, Schüsseln und Tellern bedient, werden diese von links angereicht. Damit sich die Gäste bequem bedienen können, liegt das Vorlegebesteck dem Gast zugewandt. Beim Herunternehmen der Speisen von der Servierplatte, darf diese nicht mit den Fingern berührt werden.

Fertig angerichtete Portionen, wie Vorspeisen und Suppen, werden dagegen von rechts serviert. Auch Getränke werden von rechts eingeschenkt, wobei das Glas auf dem Tisch stehen bleibt.

Beim Hauptgericht werden zuerst Fleisch und Saucen, danach Gemüse, Beilagen und Salate gereicht. Hier darf auch zwei Mal genommen werden. Vorspeisen und Suppen dagegen werden genau genommen nur ein Mal serviert.

Das Dessert erst anbieten, wenn alle am Tisch sitzenden Personen mit dem Essen fertig und alle Gedecke inklusive des Bestecks abgeräumt sind. Das Abräumen wird stets von der rechten Seite vorgenommen.

 

Sind alle Gäste da, bittet die Gastgeberin zu Tisch und das Essen kann serviert werden. | © Hübsch Interior

Sind alle Gäste da, bittet die Gastgeberin zu Tisch und das Essen kann serviert werden. | © Hübsch Interior

3. Beim Essen

Darf man mit Wasser zuprosten?

Da es unhöflich ist, jemanden aus dem Ritual des Zuprostens, das ja Gemeinschaft bekunden soll, auszuschließen, darf man heute auch ein antialkoholisch gefülltes Glas erheben. Allgemein gilt, dass man beim Zuprosten „Zum Wohl“ sagt – und nicht „Prost“.

Dürfen Eier und Kartoffeln mit dem Messer geschnitten werden?

Messer waren früher nicht legiert, so dass sich beim Kontakt mit Eiweiß oder Stärke die Schneide verfärbte, was kaum mehr zu beheben war. Seit 1907 sind Messer jedoch versiegelt, und man kann sie ruhigen Gewissens für eiweiß- oder stärkehaltige Speisen verwenden. (Dass darüber manchmal noch Unsicherheiten bestehen, zeigt, wie lange und hartnäckig sich doch bestimmte Verhaltensweisen halten.) Übrigens werden Kartoffeln geschnitten oder mit der Gabel zerteilt, aber keinesfalls zerdrückt.

Darf man die Suppentasse kippen?

Wer vornehm und – vor allem – nicht gierig erscheinen wollte, neigte seine Suppentasse nicht und ließ einen letzten Rest zurück. Warum aber sollte man dem Ausguss überlassen, was einem schmeckt? Suppentassen und -teller dürfen längst schräg gestellt und komplett ausgelöffelt werden. Lautes Kratzen auf dem Tassenboden sollte man dabei aber nach wie vor vermeiden.

Darf man Fisch nur mit dem Fischbesteck essen?

Fischsorten, bei denen das Fleisch fest ist – z. B. Tintenfisch, geräucherte oder marinierte Fische – sind sehr fest und werden daher mit normalem Besteck gegessen. Fischbesteck gibt es nur für gekochte und gegarte Fische.

Darf man darauf hinweisen, wenn sich jemand bekleckert?

Früher fand man es unhöflich, auf Soße am Ärmel oder Spinat zwischen den Zähnen aufmerksam zu machen. Dabei ist es viel rücksichtsloser, den anderen unnötig lange in dieser peinlichen Situation zu lassen. Möglich ist z. B. zu sagen „Du hast da noch etwas am Kinn“ und diskret wegzuschauen, wenn sich die oder der Betreffende wieder in Form bringt.

Werden Papierservietten anders abgelegt als solche aus Stoff?

Eigentlich hatten wir uns ja schon darauf geeinigt, dass Stoffservietten haptisch wie optisch am angemessensten für ein Dinner sind. Gibt es doch einmal Papierservietten, sollte man sie nicht minderwertiger behandeln und nach dem Essen nicht zusammenknüllen, sondern ebenso wie Stoffservietten nach dem Essen lose zur Seite legen.

 

Für einen entspannten Abend gilt: Bloß keine überflüssigen Regeln – und schon gar keine längst überholten. | © Hübsch Interior

Für einen entspannten Abend gilt: Bloß keine überflüssigen Regeln – und schon gar keine längst überholten. | © Hübsch Interior

4. Helfende Hände?

Handelt es sich um eine elegante Einladung und die Gäste sind in Abendgarderobe erschienen, dann ist es unpassend, sie zum Schnippeln in der Küche einzuspannen. Sind aber Freunde für einen gemütlichen Abend vorbeigekommen, geht das in Ordnung. Erfahrungsgemäß entsteht besonders gute Stimmung, wenn in einer engen Küche alle den Aperitif trinken und gemeinsam ein paar Handgriffe erledigen.

Auch beim Servieren, dem Bereitstellen von Getränken oder dem Nachlegen von Speisen, darf man ruhig Unterstützung in Anspruch nehmen. Entweder man bittet einen befreundeten Gast – oder man engagiert sogar jemanden dafür. Klappt oft schon ab zehn Euro pro Stunde z. B. über die Studenten-Jobbörse der nächstgelegenen Uni.

 

5. Das Ende vom Fest

Darf man als Gastgeber andeuten, dass man müde ist?

Als Gastgeber muss man durchhalten bis zum Schluss. Außer natürlich, die Gäste sind gute Freunde. Aber feinfühlige Gäste werden ohnehin erkennen, wenn die Augen der Gastgeber schwer werden, und von selbst vorschlagen, aufzubrechen.

Und wer räumt auf?

Das Aufräumen bleibt leider den Gastgebern überlassen. Denn wenn am Ende alle auf einmal hin- und herrennen, sprengt das die Gemütlichkeit, und es gibt keinen schönen Ausklang des Zusammenseins. Der letzte Eindruck bleibt aber meist am längsten in der Erinnerung haften. Deshalb wäre es sehr schade, wenn all die Mühe für den ganzen langen Abend dadurch zerstört würde.

Schöne Erinnerungen

Wenn Fotos gemacht wurden, kann man am Tag nach dem Dinner oder Fest die Fotos des Abends sichten und die lustigsten per Email an die Gäste schicken. Speicherplattformen im Internet (z. B. www.dropbox.com, www.wetransfer.com) erleichtern das Versenden von mehreren Bildern. So bleibt der Abend allen unvergesslich.

 

Gehen alle satt und glücklich nach Hause, bleibt der Gastgeberin nur noch eines: aufräumen – und sich dabei über den gelungenen Abend freuen. | © Hübsch Interior

Gehen alle satt und glücklich nach Hause, bleibt der Gastgeberin nur noch eines: aufräumen – und sich dabei über den gelungenen Abend freuen. | © Hübsch Interior

 

Und damit wäre es fast geschafft! Für den letzten Teil der Serie darf ich allerdings noch einen besonderen Leckerbissen ankündigen: ein Buch, das nicht nur wunderbare Inspirationen für einen gelungenen Abend liefert und einige ausgezeichnete Gastgeberinnen und Experten zu Wort kommen lässt, sondern sehr unterhaltsam und toll aufbereitet noch ganz viele weitere praktische Tipps liefert.

 

Credit: Titelfoto von Hübsch Interior

 

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